Wiedergründung des SPD-Landesverbandes vor 26 Jahren als Meilenstein der Thüringer Demokratiegeschichte

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Heute vor 26 Jahren, am 27. Januar 1990, gründeten im historischen Saal des Gothaer „Tivoli“ unter dem Beisein von Willy Brandt und Egon Bahr über 60 Delegierte aus Basisorganisationen der damaligen Bezirke Erfurt, Gera und Suhl den Landesverband der SPD Thüringen. 

Mit dem Gründungsakt an einer der zentralen Traditionsstätten der deutschen und internationalen Sozialdemokratie entstand nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD vom April 1946 erstmals wieder eineigenständiger sozialdemokratischer Landesverband auf dem Boden der ehemaligen DDR, der die spätere Landesstruktur vorweg nahm.

Bereits im Herbst 1989 hatten sich vielfach in Thüringen mutige Männer und Frauen zusammengefunden, um den Alleinvertretungsanspruch der SED offensiv in Frage zu stellen, politische Mitbestimmungsrechte und freie Wahlen einzufordern und den Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität folgend sozialdemokratische Basisorganisationen zu formieren. Vorbild und Grundlage war die konspirative Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) in Schwante am 7. Oktober 1989.

Die Wahl des Gothaer „Tivoli“ als Gründungsort des Thüringer SPD-Landesverbandes war eine Entscheidung mit symbolischer Tragweite, da gerade mit Gotha wichtige Wegmarken und Zäsuren der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie verbunden sind, darunter der Vereinigungsparteitag von SDAP und ADAV im Jahr 1875, die Abspaltung der Unabhängigen Sozialdemokratie (USPD) im Jahr 1917, aber auch die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED auf Landesebene im Jahr 1946.

„Die Wiedergründung des SPD-Landesverbandes am 27. Januar 1990 stellt bis heute einen Meilenstein der Thüringer Demokratiegeschichte dar“, würdigt der SPD-Landesvorsitzende Andreas Bausewein das einschneidende Ereignis. „Mit der Wiedergründung wurde die im Jahr 1946 unter Zwang herbei geführte Auflösung der Thüringer SPD endgültig korrigiert und der Prozess der regionalen Parteibildung im bewussten Gegensatz zur SED/PDS und den ehemaligen Blockparteien abgeschlossen. Auch wenn aufgrund der Zwangsvereinigung und der Zerschlagung sozialdemokratischer Traditionen durch die SED nicht unmittelbar an eigene historischen Wurzeln angeschlossen werden konnte, fühlten sich die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten der ersten Stunde dem historischen Erbe und den Grundwerten der SPD dennoch eng verbunden und pflegen die stolzen Traditionslinien der ältesten demokratischen Partei Deutschlands bis heute“, so der Bausewein abschließend.

 

 

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